Zwei langfristige Trends, die sich scheinbar widersprechen: Immer mehr Menschen leiden unter Erkrankungen, die aus zu wenig Bewegung und falscher Körperhaltung resultieren. Und immer mehr Menschen treiben Sport – mit steigenden Anforderungen. Beide Trends bestehen nebeneinander. Mit den gleichen Folgen: Die Betroffenen treffen sich beim Orthopäden wieder, der sich um geschädigte Gelenke, Muskeln und Bänder kümmert.
Mit Ultraschall und der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) können typische Muster sportlicher Überlastungssyndrome inzwischen sehr gut erfasst werden, zum Beispiel Entzündungen oder Abnutzungen an der Achillessehne.
Die häufigsten Sportverletzungen sind Muskelverletzungen und Bänderrisse am Sprung- oder Kniegelenk. Das Sprunggelenk wird besonders beim Fußball, Handball und Jogging beansprucht. Kreuzbandverletzungen des Kniegelenks kommen vor allem bei jüngeren Menschen und Kontaktsportarten, bei Ballsportarten oder beim Skifahren vor. Beim Tennis, Badminton und Golf leiden eher die Ellenbogengelenke.
Mit Ultraschall lässt sich die sich bewegende Muskulatur ins Bild setzen. Heute sind Verletzungen sichtbar, die vor wenigen Jahren nur „auf Verdacht“ diagnostiziert werden konnten; zum Beispiel im komplexen System „Schulter“ oder bei Prellungen.
Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) bietet Einblick in Knorpel, Sehnen, Muskeln und Knochen: Der große Wert der MRT für die Sportmedizin liegt darin, dass auch Kombinationsschäden in ihrer klinischen Bedeutung besser abzuschätzen sind.
Therapie
Die Wahl der Therapie hängt von den sportlichen Ambitionen, der körperlichen Belastung im Alltag und vom Lebensalter der Betroffenen ab. Unabhängig von der Verletzung geht es fast immer darum, das Muskelgewebe schnell abzuschwellen, Schmerzen zu lindern und die geschwächte Muskulatur wieder aufzubauen.
Entscheidend für die Dauer der Behandlung ist fast immer die sofortige Reaktion auf die Verletzung. Dazu gelten drei grundsätzliche Regeln:
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Pause: sofort mit dem Sport aufhören und das betroffene Körperteil ruhig stellen. |
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Eis verhindert oder lindert Schwellungen und reduziert den Schmerz (nicht bei offenen Wunden). |
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Ein elastischer Kompressionsverband verhindert eine weitere Schwellung, stabilisiert und schont den betroffenen Muskel. |
Der Abschwellung dienen später zusätzlich Salbenverbände und Medikamente.
Durch die Ruhigstellung der Muskulatur und Tape-Verbände sollen gerissene Muskelfasern so weit angenähert werden, dass sie selbständig wieder zusammenwachsen können. Wenn bei einem Faserriss mehr als ein Drittel des Muskelquerschnitts betroffen ist, versucht der Chirurg die gerissenen Fasern operativ wieder zusammenzunähen. Operationen sind auch bei großen Blutergüssen erforderlich, die der Körper nicht selbst abbauen kann. Bei Zerrungen oder Muskelprellungen sind sie kaum nötig.
Beim Muskelaufbau gehen Krankengymnastik, physikalische Therapie und Muskeltraining Hand in Hand. Fast immer kommt die elektrische Muskelstimulation (EMS) in Frage – alleine oder in Kombination mit anderen Verfahren. Denn EMS lässt sich oft schon einsetzen, wenn andere Übungen wegen Schmerzen oder nötiger Ruhestellung noch gar nicht möglich sind. Sie ist einfach anzuwenden und beliebig in den Tagesablauf zu integrieren. Das spart Zeit und den täglichen Weg in eine Praxis. Sie hilft vor oder nach Operationen, Schmerzen und Schwellungen zu lindern, die Muskelrückbildung zu stoppen und die Muskeln wieder aufzubauen.
Um möglichst schnell in Bewegungsübungen und Training einsteigen zu können, sollten die Schmerzen früh bekämpft werden. Bei Gelenksverletzungen auch, damit sie nicht chronisch werden. Schmerzmittel kommen bei Sportverletzungen nur selten zum Einsatz. Eine gute Unterstützung hingegen ist die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Sanft kribbelnde elektrische Impulse unterbrechen die Weiterleitung des Schmerzreizes an das Gehirn. Gleichzeitig veranlassen sie den Körper, schmerzlindernde Stoffe (Endorphine) auszuschütten.
Medizinische Sportbandagen unterstützen die Gelenke bei sportlichen Aktivitäten. Bei den ersten sportlichen Aktivitäten nach einer Verletzung sind die betroffenen Muskeln und Gelenke noch zu schützen und stützen, damit es keinen Rückfall gibt.
Ein Tipp zum Schluss: vor und nach dem Sport ausreichend stretchen und dehnen. Damit ließen sich zahlreiche Verletzungen vermeiden.
Buchtipps
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Lars Peterson, Per Renström: Verletzungen im Sport; |
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Deutscher Ärzte-Verlag, 3. Auflage 2002, 534 Seiten |
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Alfred M. Debrunner ,Die Störungen des Bewegungsapparates in Klinik und Praxis. |
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