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Vielfältige Formen
Die Harn-Inkontinenz ist die am häufigsten auftretende Form der Inkontinenz. Bei der Harn-Inkontinenz stimmt das Zusammenspiel von Harnblase, Schließmuskelapparat und Nervensystem nicht mehr. Die Blase entleert sich selbsttätig oder der Schließmuskel kann sich mangels Kraft nicht zusammenziehen. Die Nervenanbindung zwischen Blase und Gehirn kann ebenfalls gestört sein.
Die Harn-Inkontinenz kann ganz unterschiedliche Ursachen haben.
- Bei der Stress-Inkontinenz, auch Belastungs-Inkontinenz genannt, verursacht körperliche Anstrengung Urin-Verlust, zum Beispiel beim Heben oder Treppensteigen. Bei Frauen können Operation, Schwangerschaft, Geburt oder hormonelle Veränderungen (Wechseljahre) dafür verantwortlich sein. Bei Männern ist häufig die Operation an der Prostata Auslöser.
- Bei der Drang-Inkontinenz tritt plötzlich Harndrang auf und lässt sich nicht unterdrücken, obwohl der Verschlussapparat intakt ist. Meist werden nur kleinste Mengen Urin abgegeben. Ursache kann eine überempfindliche Blase sein, die dem Gehirn fälschlicherweise meldet, voll zu sein (sensorische Drang-Inkontinenz). Umgekehrt verläuft es bei einer motorischen Drang-Inkontinenz, bei der die Impulse des Gehirns zu schwach sind, um den Muskel anzuspannen.
- Die Drang-Inkontinenz tritt oft gleichzeitig mit der Stress-Inkontinenz auf. Unter der gemischten Stress-/Drang-Inkontinenz leiden häufig ältere Menschen, hier vorwiegend Frauen. Die falschen Nervenreize treffen auf einen ungenügend arbeitenden Blasenverschluss.
Diagnose
Um die richtige Form der Harn-Inkontinenz festzustellen, wird der Arzt ausführlich nach Ihrer Krankheitsgeschichte fragen, nach Erkrankungen und Medikamenten, die als Ursachen in Frage kommen. Bei einer Untersuchung sucht er in der Geschlechtsregion und am Darm nach äußerlich sichtbaren Ursachen der Inkontinenz. Eventuell ist auch eine gynäkologische Untersuchung sinnvoll.
Mit der Ultraschalluntersuchung kann der Arzt Nierensteine erkennen und die Größe der Gebärmutter messen. Er sieht auch, ob noch Rest-Urin in der Blase ist, nachdem Sie auf der Toilette waren.
Eine Harnprobe wird auf Bakterien, Eiter, Blut und andere Substanzen untersucht, um Infekte ausschließen zu können.
Mit einer Art Tagebuch gewinnt der Arzt schließlich einen besseren Eindruck von dem genauen Ausmaß des Problems. Der Patient notiert, was er getrunken hat und wie häufig er Harn verliert. Weil „Miktion“ der medizinische Fachausdruck für das Urinieren ist, nennt sich dieses Tagebuch „Miktionsprotokoll“.
Genügen diese Untersuchungen nicht, um die Ursache zweifelsfrei zu klären, kommen auch die Harnflussmessung, eine Röntgendiagnose, eine Blasenspiegelung und die Druckprofilmessung in Frage.
Therapien
Jede Behandlung der Inkontinenz ist individuell auf Sie zugeschnitten. Sie nimmt Rücksicht auf Ursache und Ausmaß der Erkrankung und Ihre individuellen Lebensumstände.
- Zunächst einmal erhalten Sie vermutlich hygienische Hilfsmittel, damit die Inkontinenz ihren Alltag nicht zu sehr belastet. Das können Vorlagen, Urinale, Katheter oder auch Pessare sein.
- Medikamente werden meist eingesetzt, um das Nervensystems zu beeinflussen oder eventuelle Infekte zu behandeln.
- In fast allen Fällen ist Muskeltraining eine echte Hilfe. Dabei entwickeln Sie ein Gefühl für die Muskulatur und kräftigen sie. Physiotherapie, Beckenbodentraining oder Hilfsmittel zum Muskelaufbau können die Inkontinenz sogar dauerhaft stoppen. Einige Übungen für das Beckenbodentraining können Sie hier herunterladen.
- Die elektrische Muskelstimulation (EMS) ist eine Therapieform, mit der sich alle anderen Behandlungen gut und erfolgreich kombinieren lassen. Spezielle Geräte wie das NT Confidence® plus stimulieren die Beckenbodenmuskeln mit sanften elektronischen Impulsen. Die hohe Wirksamkeit bei der Behandlung von Harn-Inkontinenz wurde in klinischen Untersuchungen nachgewiesen. EMS ist eine sanfte und sichere Behandlungsmethode ohne operativen Eingriff und ohne Medikamente. Die Behandlung kann bequem von zu Hause aus durchgeführt werden.
- Biofeedback ist ein kontrolliertes, aktives Training bei Inkontinenz. Der Patient muss seinen Beckenboden aktiv anspannen und entspannen. Ein Gerät gibt diese Aktivität vor und kontrolliert sie. Ziel des Trainings ist es, bestimmte Körperfunktionen zu kontrollieren und bewusst im Alltag einzusetzen, über die man normalerweise keine Kontrolle hat.
- Operationen werden nur selten durchgeführt.
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